«Ihr seid vielleicht die Schönsten, aber ich bin die Klügste von uns allen»

Sie ist wohl die mächtigste Frau im Schweizer Fussball. Heliane Canepa ist Mitbesitzerin des FC Zürich und grosse Fördererin der Frauenabteilung. Sie war jahrzehntelang eine erfolgreiche Geschäftsfrau und erzählt von ihrer faszinierenden Karriere aus einem kleinen Dorf in Österreich bis zur CEO von Nobel Biocare. Die 73-Jährige spricht über ihren Umgang mit Machos, über ihre Begeisterung für den Fussball – und über ihre Erlebnisse in immer noch stark von Männern geprägten Berufsfeldern.


Fabian Ruch im Gespräch mit Heliane Canepa




Wo steht der Schweizer Frauensport im Jahr 2021?

Ich kenne mich vor allem im Fussball aus, und da hinken wir der Zeit immer noch ein wenig hinterher. Skifahrerinnen und Tennisspielerinnen sind etablierter, weil sie seit Jahrzehnten am TV gezeigt werden. Aber es geht vorwärts. Ich schaue den Frauen gerne beim Fussball zu. Damit die Spielerinnen aber auch wie Profis trainieren und sich angemessen erholen können, müsste man viel mehr Einnahmen zur Finanzierung des Spielbetriebs generieren. Heute müssen die Frauen einer Vollzeitarbeit nachgehen, ihre gesamten Ferien opfern oder auch unbezahlten Urlaub nehmen.

Sie haben den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung in allen Facetten in den letzten Jahrzehnten miterlebt. Wie weit sind wir im Sport?

Es wird besser, viel besser, aber es ist noch ein langer Weg. Wir waren vor zehn Jahren, als wir uns beim FCZ mit Seebach zusammenschlossen und ein Frauenteam gründeten, Vorreiter unter den Super-League-Vereinen. Oft hatten die Frauen damals nur einen kleinen Raum, in dem sie sich umziehen durften. Wir beim FCZ sind stolz darauf, den Frauen immer sehr gute Bedingungen geboten zu haben. Wir sehen uns durchaus als Pioniere des Schweizer Frauenfussballs. Die anderen Vereine haben jetzt aufgeholt, die Strukturen werden vielerorts besser. Das ist ein schönes Zeichen, weil dem Frauenfussball dadurch jener Wert gegeben wird, den er verdient hat. Wir gewinnen dadurch nicht mehr so viele Titel, aber das ist verschmerzbar, weil es der ganzen Bewegung dient, wenn sich mehrere Vereine engagieren.


Warum müssen Frauen in vielen Bereichen immer noch so stark um Akzeptanz kämpfen?

Das ist traurig und eine gesellschaftliche Frage. Ich kann nur für mich sprechen. Und ich wollte nie so leben, wie es vorgegeben war damals in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Ich wuchs in Götzis in einem kleinen österreichischen Provinzdorf auf, in einem sehr katholischen Umfeld. Es war nicht normal, als Frau Karriere zu machen. Die Idee war: Mann kennen lernen, Einfamilienhaus, Familie, Kinder, Haushalt. Alle machten das damals so, meine drei Schwestern auch und die Mitschülerinnen. Ich hatte andere Pläne, Heiraten stand eigentlich gar nie auf meiner Liste. Wäre ich früh auf dieser Schiene gelandet, hätte ich keine Chance gehabt, meine beruflichen Träume zu verwirklichen. Meine Mutter durfte nicht auswärts arbeiten, so etwas wollte ich unbedingt vermeiden. Darum war für mich klar: Keine Heirat, lieber zur Ausbildung nach England und Frankreich gehen. Und das setzte ich dann ja auch um.


Wann stellten Sie erstmals diesen Unabhängigkeitsdrang fest?

Schon als Kind. Ich las begeistert das Buch «Memoiren einer Tochter aus gutem Haus» von Simone de Beauvoir, ihre Gedanken waren inspirierend. Und ich hatte schon immer zwei linke Hände, konnte nie kochen, war schlecht in Handarbeit, ich begriff das einfach nicht. Ich hörte ständig, dass ich so nie einen anständigen Ehemann bekommen würde. Aber das wollte ich ja gar nicht, ich wollte leben und sehen, was in der Welt passiert. Meine Einstellung führte natürlich zu Problemen mit den Eltern und in der Schule.


Und dann zogen Sie los.

Genau, damals wurde man mit 21 Jahren volljährig. Aber ich erreichte es, dass mir mein Vater mit 20 die Bewilligung gab, nach England zu gehen. Die Eltern, die Familie, ganz Götzis, alle waren enttäuscht von mir. Sie dachten: Was will die Heliane Mayer denn da? Ich dachte: Die Stones und die Beatles erleben und sehen, endlich verstehen, was die singen, wie die leben, das ist es, was ich will! Dann hatte ich aber fürchterlich Heimweh, die Rituale unserer Grossfamilie fehlten mir. Aber ich schrieb nach Hause, es gefalle mir wahnsinnig gut. Und es war ja auch irrsinnig toll, ich sah die Stones im Hyde Park, I Can’t get no Satisfaction, was war das für ein Konzert! Und ich, das Landei, mit 20 mittendrin. Ich machte meine Sprachdiplome, das war meinem Vater wichtig, doch nach einem Jahr in London wollte ich nicht zurück, ich wollte weiter. Also ging ich nach Paris, an die Sorbonne, um zu studieren.


Was studierten Sie in Paris?

Das Leben (lacht). Und zwei Jahre Literatur. Ich habe eigentlich immer gelesen, Balzac auf Französisch, sensationell. Damals war mein Lebenstraum, einen Buchladen zu eröffnen, damit ich den ganzen Tag die tollsten Bücher lesen kann und vielleicht ab und zu etwas verkaufen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach den zwei Jahren in Paris war mein Plan, noch nach Italien zu gehen, Italienisch lernen. Nun aber schritt mein Vater vehement ein und sagte, es sei für mich an der Zeit, die Ausbildung selber zu finanzieren. Also suchte ich eine gutbezahlte Stelle in der Schweiz. Der Plan war, mit dem verdienten Geld den nächsten Aufenthalt in Florenz zu ermöglichen. Dank meinen Fremdsprachenkenntnissen konnte ich als Stagiaire im damals weltweit führenden Textilmaschinenhersteller bei der Maschinenfabrik Rüti beginnen.


Wann war das?

1972. Ich wohnte in einem kleinen Gasthof in einem Zimmerli, schaute aus dem Fenster und sah: nichts. Es gab ein winziges Kino, da lief irgendein Roy-Black-Film, mehr gab es nicht. Mit dem ersten Zug fuhr ich nach Zürich, in Rüti war mir das alles zu eng. Aber okay, dachte ich, acht Monate würde ich es dort schon aushalten, in diesem Land mit dem lustigen Dialekt.


Wie war die Arbeit?

Ganz okay, ich durfte viele Sachen selbständig machen, weil ich perfekt Englisch und Französisch sprach. Einmal sagte der Chef, es wäre nicht schlecht, würde ich den internen Branchenkurs absolvieren, damit ich sehen würde, was und wie in dieser Firma produziert wird. Ich war froh um jede Abwechslung, selbst wenn mich das Thema absolut nicht interessierte. Dort im Kurs traf ich dann einen jungen Kerl, der mir sofort auffiel. Er war vif und vorwitzig. Und alle nannten ihn Cillo. Der Zufall wollte es, dass wir später das Büro teilten, ich als Direktionssekretärin, er als neu angestellter Werbeassistent. So kamen wir uns näher. Ich erfuhr, dass er ein talentierter Fussballer in der ersten Mannschaft des Zweitligisten FC Rüti war. Er lud mich ein, am Samstag ein Fussballspiel seiner Mannschaft schauen zu kommen. Das tönte spannend, schliesslich sei es ein wichtiges Spiel im Schweizer Cup.


Und wie war das Spiel?

Ich hatte keine Ahnung, aber es war eine Abwechslung im eintönigen Leben in Rüti. Viele Zuschauer waren dort, ich sah, wie Cillo rannte und spielte, und fand das alles sogar ein wenig aufregend. Immerhin fielen sechs Tore. Und nach dem Spiel sagte ich ihm, es sei schade, habe sein Team nur unentschieden gespielt. «Hey, wir haben 6:0 gewonnen und in der Halbzeit bereits 3:0 geführt», antwortete Cillo. Ich hatte schlicht nicht realisiert, dass die Mannschaften in der Halbzeit die Seiten gewechselt hatten. So lernte ich Cillo, meinen Mann, kennen.


Und Sie hatten einen Grund, in der Schweiz zu bleiben.

So schnell ging das nicht. Er war fünf Jahre jünger als ich, er war 20, das war eine Katastrophe damals, eine Todsünde fast schon. Cillo liess nicht locker, er wischte alle Bedenken weg, schrieb mir seitenlange Briefe, und natürlich hatte ich auch starke Gefühle entwickelt, die ich nicht mehr ignorieren konnte. Mit gefiel seine Gradlinigkeit, für einen 20-Jährigen war er bemerkenswert strukturiert. Und er machte auch keine Rechtschreibfehler, das hätte ich nicht ertragen. Ich suchte die ganze Zeit nach Sachen, die mich stören könnten, aber ich fand nichts. Für die Eltern war es auch schwierig, weil so eine Beziehung nicht in ihrem Sinn war.


War es eine Art verbotene Liebe?

Vielleicht kann man das sogar so sagen. Auf jeden Fall stellte ich Cillo dann irgendwann meinen Eltern in Götzis vor. Er war so humorvoll und vorlaut, das erleichterte die Sache auch nicht gerade. Meine Mutter fragte ihn, ob er katholisch sei, und Cillo antwortete: «Ja, ja, auf dem Papier schon. Sonst weniger.» Mein Vater fragte, ob sich Cillo überlegt habe, dass er erst 45 sei, wenn seine Frau schon 50 sei. Cillo meinte: «Wissen Sie, das wird dann erst ein Problem, wenn ich 90 bin und Heliane 95.»


Hört sich nach einem Traumschwiegersohn an.

Ja, absolut! Ich blieb dann ein halbes Jahr länger in Rüti als geplant, und nachdem Cillo die Rekrutenschule beendet hatte, heirateten wir 1973 und zogen nach Richterswil. Er fing an, Betriebswirtschaft zu studieren, ich arbeitete bei Hamol, einem Sonnencremehersteller. Nach drei Jahren gingen wir beide zu Ernst & Young, Cillo in die Wirtschaftsprüfung, ich in die Personalberatung. Mein Mann durfte bald ein Jahr nach Boston, ich ging mit, obwohl ich keine Arbeitsbewilligung erhielt. Also fing ich in den USA mit Jazztanz an, und als wir nach einem Jahr zurück nach Zürich kamen, hatte ich eine brillante Geschäftsidee, wie ich fand.


Nämlich?

Ich wollte an der Bahnhofstrasse ein Jazztanzstudio eröffnen, dazu Joghurts, Säfte und Müsli verkaufen, wie es halt damals in den USA bereits populär war. Aber ich fand keinen Investor, dabei wäre die Idee genial gewesen, viele Jahre, bevor solche Geschäfte auch in der Schweiz eröffnet und beliebt wurden. Mir war es dann wichtig, eine Stelle zu finden, bei der ich mit Einzelunterschrift arbeiten durfte. Das war, zumal als Frau, gar nicht so einfach, aber ich fand ein Start-up in der Medizinaltechnik, die kleine und unbekannte Firma Schneider. Die Büros befanden sich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Wiedikon. Dr. Andreas Grüntzig, damals noch Assistenzarzt am Unispital Zürich, meldete sich bei uns mit einer fantastischen Idee: Statt bei herzinfarktgefährdeten Patienten komplizierte und teure Bypass-Operationen durchzuführen, erfand er den sogenannten Ballonkatheter. Dieser an einem langen Draht befestigte und aufblasbare Ballon wurde über die Arterie an der Leiste eingeführt und dann in die Herzarterie verschoben. Dort wurde der Ballon unter Hochdruck aufgeblasen. Dadurch wurden die Verengungen an den Herzwänden ausgeweitet, das Blut konnte wieder normal fliessen, und das Herzinfarktrisiko war beseitigt. Diese kostengünstige und ambulante Behandlungsmethode wurde ein Weltschlager.


Was war Ihre Arbeit damals?

Es brauchte sehr viele Versuche und Anpassungen, bis wir das Produkt auf den Markt bringen konnten. Zusammen mit Dr. Grüntzig, der dank dieser Erfindung weltweit zu grosser Berühmtheit gelangte, waren wir Pionier einer neuen Behandlungsmethode, die einen milliardenschweren Markt generierte. Es war eine wunderbare Zeit, ich durfte schalten und walten, wie ich wollte. Zu Beginn waren wir inklusive Produktionspersonal vielleicht ein knappes Dutzend Personen. Ich managte alles, entwarf den Prospekt, betreute Kunden, führte die Buchhaltung, kümmerte mich um jedes Detail.


Und das Unternehmen startete durch.

Genau, wir wurden gross und grösser und eroberten auch die USA. 1979 verkaufte der Inhaber aus Altersgründen das Geschäft an den amerikanischen Pharmakonzern Pfizer für einige Dutzend Millionen Franken. Die Bedingung von Pfizer war aber, dass ich bleiben müsse. Wir bauten in Bülach ein neues Firmenzentrum mit moderner Produktion. Bei der Bauplanung war ich intensiv involviert, wählte die Farben aus, Rot und Weiss, und immer, wenn ich mit dem Flugzeug landete in Zürich, sah ich von oben unseren Sitz. Ich war 16 Jahre CEO, wir bauten die Mitarbeiterzahl von 5 auf weltweit rund 3000 aus, in Bülach waren es 560. Und wir gründeten weltweite diverse Tochtergesellschaften.


Wo arbeiteten Sie?

Auf der ganzen Welt. Als CEO Worldwide war ich für den gesamten Schneider-Konzern zuständig. Pfizer wollte dann aus steuertechnischen Gründen nach Irland ziehen. Das verhinderte ich, immer wieder, dabei musste ich sehr behutsam vorgehen, weil die Bedingungen für Pfizer in Irland besser gewesen wären. Ich wollte jedoch in der Schweiz bleiben, wir hatten eine tolle Crew, die Forschung war ausgezeichnet, also fand ich immer wieder Wege, um in New York am Firmenhauptsitz für die Schweiz als Standort zu kämpfen. Jedes Mal, wenn ich ging, fragten die Leute: «Schaffst du es?» Ich kam immer mit einer positiven Antwort zurück.


Wie lief es in der Schweiz?

Irgendwann wollte Pfizer das Unternehmen aus strategischen Gründen verkaufen. Ich war auch interessiert, hätte die Finanzierung von einem englisch-deutschen Bankenkonsortium auch erhalten, doch Pfizer entschied sich für einen Konkurrenten. Schneider wurde für drei Milliarden Franken verkauft und sofort nach Irland verlegt. Mein Ziel bestand nun darin, sämtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweiz zu einer neuen Stelle zu verhelfen. Ich verkaufte das Gebäude in Bülach an die deutsche Medizinalfirma Biotronik, unter der Bedingung, dass sie die Mitarbeiter zu übernehmen hatten. Biotronik offerierte mir auch die Stelle als CEO. Doch nach 20 Jahren bei Schneider war der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu tun.


Aber Sie eröffneten weder einen Buchladen in Paris noch ein Jazzlokal an der Bahnhofstrasse, sondern gingen 2001 zu Nobel Biocare.

Eigentlich wollte ich mich nach so vielen stressigen, arbeitsreichen Jahren ausruhen. Aber Ernst Thomke trat an mich heran, gemeinsam mit zwei Analysten besuchten wir in den USA monatelang kleinere und mittelgrosse Firmen im Medizinbereich, um eine Trouvaille zu entdecken, in die wir investieren wollten. Irgendwann las ich die Unterlagen von Nobel Biocare durch, einem Unternehmen im aufstrebenden Zahnimplantatsegment. Ich war begeistert von den Möglichkeiten. Also investierten wir in die Firma, Thomke und ich traten zudem in den Verwaltungsrat ein.


Sie wurden CEO und Thomke Verwaltungsratspräsident.

Ich begriff sofort, dass Nobel Biocare zwar grossartige Chancen hatte, sich aber operativ verzettelt hatte und auf zu viele Produkte setzte. Weil der vorherige CEO zusammen mit seinen Leuten zurücktrat, als er von den neuen Investoren hörte, fanden wir, es sei notwendig, dass ich gleich diese Position übernehme. Ich weiss noch genau, wie ich meinem Mann einfach einen Zettel in der Küche hinterliess, dass ich in Göteborg eine Stelle als CEO übernommen hätte. Es musste alles sehr schnell gehen, wir flogen in Thomkes Privatflieger nach Göteborg. Und da begann ich, fast Tag und Nacht zu arbeiten, es gab Umstrukturierungen, wir mussten aufräumen und das Personal motivieren.


Wurden Sie in Schweden sofort akzeptiert?

Natürlich nicht. Aber ich war es gewohnt, Widerstände zu brechen. Die Entscheidungsträger waren misstrauisch, weil da eine rothaarige, ziemlich kleine, ziemlich laute, ziemlich schnelle Frau kam und alles umstellte.


Wie gingen Sie vor, um das Vertrauen zu gewinnen?

Ich tat, was ich immer tat: Ich arbeitete hart, viel, zielstrebig. Ich war alleine im Hotel, hatte viel Zeit, fand das Thema interessant und erkannte, dass die Forschung auf einem guten Niveau war. Und ich war erst 52 Jahre alt und energiegeladen. Nach wenigen Monaten steigerten wir die Resultate, es ging flott vorwärts, die neue Arbeit gefiel mir, zumal ich vorher nie ein börsennotiertes Unternehmen geführt hatte. Es gab nun Sitzungen mit externen Investoren, Analysten, Beratern, das war intensiv, doch ich war die ganze Zeit dort, hatte keine Ablenkung, das war irre spannend. Wir transferierten später den Hauptsitz nach Zürich, gingen auch in der Schweiz an die Börse. Ich wurde die erste Frau als CEO eines börsenkotierten Unternehmens in der Schweiz. Spätestens bei Nobel Biocare wurde mir klar, dass ich als Frau nicht weniger Chancen kriege. Aber man muss bereit dafür sein, auf vieles zu verzichten. Ich empfand mein Leben in all den Jahrzehnten dennoch immer als selbsterfüllt.



Nah am Ball: Heliane Canepa nimmt beim FC Zürich Einfluss (Keystone)

Hatten viele Männer Mühe mit einer derart selbstbewussten Frau?

Es gab immer wieder Situationen, die speziell waren, das ist ja klar. Aber ich bemitleidete mich nie, weil ich gelassen mit Männern umging, die ein besonders grosses Ego hatten. In Japan ist der Stellenwert einer Frau in der Geschäftswelt besonders tief, aber ich genoss die Zeit auch dort. Und wenn ich am Abend mit ein paar Kollegen in eine Bar ging, wurde ich immer als Letzte bedient, aber das störte mich überhaupt nicht, weil ich so überlegen konnte, was ich trinken wollte. Und sowieso: Es tat mir und unserer Ehe sehr gut, war ich regelmässig länger im Ausland, sonst hätten wir es vielleicht nicht bereits fast 50 Jahre so harmonisch miteinander. Man muss seinem Partner auch Freiräume ermöglichen.


Wie gingen Sie in den Tausenden von Sitzungen mit der Männerklub-Mentalität um?

Mit Humor. Mit viel Humor. Ich war oft die einzige Frau an diesen Sitzungen, auch in den diversen Verwaltungsräten. Und ich liess die Männer oft alleine, damit sie ihre Witze reissen konnten. Meistens ging ich nach den Meetings nach Hause, ich hätte mich sowieso gelangweilt in den Bars, ich las viel lieber ein Buch im Bett. Ich war auch nie pikiert, wenn es mal einen doofen oder anzüglichen Spruch gab, ich konnte mich ganz gut wehren, wenn es nötig war. Eigentlich waren meine Erfahrungen mit Männern durchgehend positiv. Als Chefin konnte ich zudem mitbestimmen, dass der Frauenanteil stieg, bei Nobel Biocare betrug er in der Geschäftsleitung teilweise fast 50 Prozent. Ob jemand fähig ist oder nicht, das hat logischerweise nichts mit dem Geschlecht zu tun.


Sie sagten einmal, Sie seien nie eine Feministin gewesen.

Ich war und bin eine Feministin im Herzen. Aber ich ging nie auf die Strasse, um für die Rechte der Frauen zu demonstrieren, weil ich es ein falsches Bild finde, wenn sich Frauen als Opfer darstellen. Das haben wir nicht nötig. Die MeToo-Debatte war aber überfällig, weil sich nicht alle gleich gut gegen Ungerechtigkeiten und Übergriffe verteidigen können. Ich war immer sehr vorsichtig, meine Grossmutter hatte mir stets gesagt, ich solle nicht allein in den Wald gehen, weil es immer Trottel gibt, die einem etwas antun könnten.


Ist es nicht heikel, wenn eine Frau so denken muss?

Wir sind nun einmal körperlich unterlegen. Und es wird leider immer Menschen auf der Erde geben, die kriminell veranlagt sind. Dagegen muss man sich, soweit es möglich ist, schützen. Und meine Position als CEO half mir sicher auch, dass ich weniger als andere Frauen unter Benachteiligungen litt.


Hatten Sie bereits an der Sorbonne, als Sie einen Buchladen eröffnen wollten, gespürt, dass in Ihnen auch eine fähige Unternehmerin steckt?

Intuitiv hatte ich das wohl immer getan. Meine Schwestern waren blond, gross, blauäugig, ich war kastanienrot, klein, mit grünen Augen. Ich war anders. Die drei Schwestern stritten immer, wer die Schönste sei. Ich sagte dann: «Ihr seid vielleicht die Schönsten, aber ich bin die Klügste von uns allen.» Niemand widersprach, wahrscheinlich war ich das auch (lacht).


Was für eine Chefin waren Sie?

Total ehrlich, direkt, authentisch, anders geht es nicht. Und ich wollte auch immer Spass für mich haben, das war mir wichtig. Manchmal sauste ich vergnügt durch die Gänge, wenn wir wieder ein besonders gutes Geschäft abgeschlossen hatten oder die Zahlen stimmten. Ich organisierte in Las Vegas riesige Meetings, im MGM-Hotel waren einmal 6500 Leute dabei, das war ein Plausch. Einmal lud ich Tom Jones als Showgast ein. Cillo, ein grosser Tom-Jones-Fan, verlangte von mir, dass ich ein Autogramm nach Hause bringen solle. Das Bild mit persönlicher Widmung von ihm hängt heute noch in Cillos Büro. Die Arbeit bereitete mir grosse Freude, das ist entscheidend. Man darf sich das Leben nicht versauen mit einem Job, der einen nicht befriedigt. Sonst muss man suchen, bis man die passende Stelle findet.


Ihre Bilanz als Unternehmerin fällt also durchwegs positiv aus?

Fehler macht jede und jeder. Immerhin habe ich einige Unternehmerpreise gewonnen. So schlecht kann es also nicht gewesen sein. Als dann allerdings bei Nobel Biocare im Verwaltungsrat personelle Änderungen vorgenommen wurden mit neuem Präsident und neuen Mitgliedern, verging mir die Freude. Wir hatten unterschiedliche Meinungen über die strategische Ausrichtung der Firma. Das war für mich sehr ermüdend und frustrierend. Also zog ich 2007 einen Schlussstrich und lehnte das Angebot, selber Mitglied des Verwaltungsrates zu werden, dankend ab.


Waren Kinder bei Ihnen und Ihrem Mann nie ein ernsthaftes Thema?

Ich hatte gesehen, wie viel Arbeit meine Mutter mit fünf Kindern hatte. Es tat mir leid, war meine Mutter so gefangen in dieser Rolle und hatte kaum Zeit für sich. Natürlich sprachen Cillo und ich regelmässig darüber, aber unser Wunsch war nie so gross, dass wir etwas ändern wollten.


Wäre eine solche Karriere mit Kindern überhaupt möglich gewesen?

Für eine andere Frau vielleicht, für mich nicht. Menschen sind unterschiedlich. Es gibt Frauen, die haben drei, vier Kinder und machen eine Riesenkarriere. Ich hätte mir als Mutter nie eine Nanny oder so vorstellen können, ich hätte nicht loslassen können. Die Erziehung wäre mir so wichtig gewesen, dass ich da keine Kompromisse hätte eingehen wollen. Ich bin wohl ein sehr kompetitiver Mensch: Wenn ich etwas mache, dann richtig.


Und damit zum Sport. Was bedeutet er für Sie?

In der Schule war ich in der Leichtathletik, ich spielte Volleyball, ich joggte später sehr viel, in Schweden war ich jeden Morgen ab sechs Uhr eine Stunde in flottem Tempo unterwegs, absolvierte auch einen Halbmarathon. Heute bin ich viel mit unseren zwei Hunden in der Natur. Ich war aber nie ein Sportfreak. Sport bedeutet für mich immer auch Spass.


Wie äussert sich das?

Man muss sich wohlfühlen. Als wir die Bodenfarbe für das neue FCZ-Trainingszentrum auswählten, wollte man Blau wählen. Ich aber setzte Pink durch. Auch Krafttraining muss Freude machen, und Pink ist knallig, es regt an, das gefällt mir.


Sind Sie mittlerweile auch ein grosser Fussballfan?

Absolut. Ich lernte die Regeln kennen, als ich damals in Rüti und auch später die Spiele von Cillo besuchte. Bald interessierte mich die Taktik, ich schaute viele Spiele. Als Cillo 1978 in der Fourierschule war und die WM-Spiele nicht schauen konnte, schrieb ich jedes Detail von jeder Partie auf, um ihm telefonisch berichten zu können. Ich hatte früh meine Lieblingsspieler, Johan Cruyff vor allem, das war ein wunderbarer Fussballer, so elegant und perfekt. Derzeit gefällt mir Zlatan Ibrahimovic, seine Biografie habe ich verschlungen. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi sind dagegen nicht so meine Lieblinge.



Ihre grossen Lieben: Heliane Canepa sitzt auf der FCZ-Bank neben ihrem Mann Ancillo Canepa – vor ihnen ist einer ihrer zwei Hunde (Keystone)


Reden Sie bei Transfers des FCZ eigentlich mit?

Transfers und Kaderplanung besprechen wir in der Sportkommission, in welcher ich ja auch vertreten bin. In aller Regel erarbeitet dann die Scoutingabteilung Vorschläge. Wenn wir beispielsweise einen Linksverteidiger brauchen, gibt es ein klares Raster, und am Ende passen da drei, vier Spieler rein. Und dann beginnt gegebenenfalls der Verhandlungsprozess mit Verein, Berater und Spieler. Da sind Cillo und ich natürlich an vorderster Front mit dabei. Wenn es zum persönlichen Gespräch mit dem Spieler kommt, kann ich meine Erfahrung als ehemalige Unternehmenschefin einbringen. Ich habe in meinen Jobs sehr viele Leute eingestellt, ich habe da ein sehr gutes Gespür entwickelt. Wie die Spieler einen anschauen, wie sie reden, wie ihr Händedruck ist, ob sie den Blick standhalten. Fussball spielen können sie alle, aber auch der Charakter, die Lebenseinstellung, der private Hintergrund müssen zum FCZ passen. Und da glaube ich schon, dass ich ein gutes Auge habe.


Musste Sie Ihr Mann damals überreden, sich beim FCZ auch finanziell zu engagieren, zumal im Fussball so viel Geld verbrannt wird?

Im Gegenteil. Wir trennten unsere Konten in all den Jahrzehnten nie, es gibt auch keine Gütertrennung. Fussball ist die grosse Liebe Cillos, seine Faszination für diesen Sport ist grenzenlos. Als er im Verwaltungsrat des FCZ war, sagte sein Arbeitgeber Ernst & Young, das sei okay, aber als er vom früheren Präsidenten und Besitzer Sven Hotz angefragt wurde, den Verein zu übernehmen, meinte Ernst & Young, Cillo müsse sich nun entscheiden: Firma oder FCZ. Beides gehe aus reglementarischen Vorschriften der New Yorker Börse nicht. Der Hintergrund war: Als Chef der Wirtschaftsprüfungsabteilung war Cillo auch zuständig für grosse Schweizer Konzerne, die ihre Aktien in den USA kotiert hatten. Er hätte damals bei Ernst & Young auch eine Top-Managementfunktion auf europäischer Ebene übernehmen können.


Aber?

Ich spürte, dass ihn das Engagement im Fussball reizt. Ich sagte ihm, er sei 52, finanziell sei das natürlich nicht ideal, aber das Leben sei kurz. Stellen Sie sich vor, wir würden mit 80, 85 im Altersheim sitzen und das dann bereuen. Viele Menschen sagen später, sie hätten mehr Zeit für sich, ihre Hobbys und ihre Familie aufwenden sollen. In dieser Hinsicht ist es ein Glück, dass wir keine Kinder haben, die sich um ihr Erbe Sorgen machen würden. Die hätten wohl längst versucht, uns zu entmündigen, weil so ein Engagement im Fussball wirtschaftlich schon sehr speziell ist.


Aber Sie als erfolgreiche Unternehmerin interessiert doch bestimmt, was mit Ihrem Geld passiert.

Klar, ich passe auf wie ein Häftlimacher. Aber Fussball ist unplanbarer, denken Sie nur an eine schwere Verletzung eines wichtigen Fussballers. Und es geht am Ende um Titel und Erfolg, nicht um finanzielle Gewinne. Das stört mich nicht, es ist einfach anders als in der Wirtschaft. Und was wäre mit dem FCZ, wenn wir nicht da wären? Vielleicht wäre der Klub dann auch wie GC in chinesischen Händen. Der Verein existiert nun 125 Jahre, wir haben einen wunderbaren Film zum Jubiläum gedreht, die Geschichte des FCZ ist reich und schön und voller grossartiger Ereignisse. Und ich finde es wichtig, gehört der Klub immer noch Zürchern.


Manchmal schreiben Zeitungen, Ihr Mann sei als Präsident zu sehr Fan des FCZ.

Ich bitte Sie, diesen Vorwurf verstehe ich überhaupt nicht. Man muss doch Fan seines Unternehmens sein und sich jeden Tag auch emotional auf die Arbeit freuen. Es gibt schwierige Phasen, da schliefen wir sehr schlecht, etwa als der FCZ abstieg. Aber ohne Leidenschaft kann man nicht seine ganze Stärke einbringen. Ich war damals auch Fan jener Firmen, für die ich arbeitete. Ich hätte nie Waschmaschinen oder Büroklammern verkaufen können, die Materie war entscheidend für mich. Man kann im Fussball sowieso nicht immer alles mit kühlem Kopf entscheiden, es gibt so viele Dinge, die unberechenbar sind. Genau das macht den Reiz aber auch aus. Zudem ist es doch gut, ist mein Mann grosser Fan des FCZ, sonst wäre der Verein vielleicht schon seit Jahren im Besitz von ausländischen Investoren.


Gigi Oeri war beim FCB engagiert, Ruth Ospelt beim FC Vaduz, aktuell sind Sie als Frau alleine in der Super League in einer wichtigen Funktion. Wie ist es, die mächtigste Frau im Schweizer Klubfussball zu sein?

Ach was, ich mache mir doch keine Gedanken, wie mächtig ich angeblich bin. Es war immer witzig mit Ruth, nun bin ich halt leider wieder meistens die einzige Frau an Ligaversammlungen und ähnlichen Anlässen. Das bin ich gewohnt aus meinen Tätigkeiten in der Vergangenheit. Ich finde, wir haben immer ein bisschen Leben und Farbe in solche Veranstaltungen gebracht, Ruth und ich haben die Machos in der Branche mit Sprüchen unterhalten. Im Übrigen sind die Klubbesitzer grösstenteils anständige Leute und erfolgreiche Geschäftsmänner, ich denke an Stephan Anliker, Heinz Spross, Matthias Hüppi, an die Brüder Rihs, früher an Bernhard Burgener und Gigi Oeri, um nur einige zu nennen. Natürlich gab es immer wieder Ausnahmen, meistens waren das ausländische Investoren, die mit Misswirtschaft für negative Schlagzeilen sorgten. Aber dies ist nicht nur im Fussball der Fall.


Was muss im Fussball verändert werden, damit die Frauen und der Frauenfussball besser vertreten und unterstützt werden?

Es wird besser, Schritt für Schritt. In der Wirtschaft dauerte es auch lange, bis mehr Frauen zum Beispiel in Verwaltungsräten sassen. Im Prinzip finde ich die Frauenquote kein besonders schlaues Instrument, aber es kann trotzdem helfen, Fortschritte zu realisieren. Denn es existieren ja zahlreiche Studien, die beweisen, dass ein Unternehmen erfolgreicher ist, wenn der Mix zwischen den Geschlechtern angemessen ist. Der Fussball ist diesbezüglich leider noch sehr rückständig.


Sind Sie eigentlich zufrieden mit dem Bild, das in den Medien von den Canepas gezeichnet wird?

Ehrlich gesagt kümmert mich das nicht gross. Ich gebe kaum noch Interviews, ich habe in meinem Leben genug geredet. Aber ich lese jeden Tag die grossen Schweizer Zeitungen, das ist mir wichtig. Früher wurden wir gelegentlich nicht so positiv dargestellt. Es gab auch den einen oder anderen Journalisten, der mit Cillos Offenheit nicht umgehen konnte. Aber die Stimmung, auch medial, hat sich in den letzten Jahren uns gegenüber merklich entspannt. Es gibt auch sehr viele Leute, die uns enorm schätzen. Wir hören wirklich oft, wie dankbar man sei, dass wir uns für den FCZ und für den Schweizer Fussball engagieren würden. Sogar von Anhängern anderer Klubs.


Wie ist denn Ihr Umgang mit den FCZ-Spielern?

Er ist unkompliziert. Ich dränge mich nicht auf, pflege aber einen regelmässigen Kontakt, sei es in den Trainings oder in den Trainingslagern. Ich könnte bei einigen ja schon das Grosi sein. Im Sommer und im Winter finden jeweils mehrtägige Trainingslager im Ausland statt. Da verpasse ich kein Training, denn ich schaue wahnsinnig gerne zu. Eine gewisse Distanz ist zwar nötig, aber das ergibt sich von selbst. Und manchmal kommt ein junger Spieler und erzählt von sich, vielleicht von seiner Familie. Diese Gespräche sind immer interessant, weil ich stets den Menschen hinter dem Fussballer sehe.


15 Jahre Engagement beim FCZ: Wie fällt die Bilanz aus?

Ich war nicht von Anfang an so nahe dabei wie heute. Es war sicher abwechslungsreich und nicht immer einfach, aber es gab zahlreiche Titelgewinne, Europacup-Teilnahmen und auch sonst viele schöne Momente. Was mir aktuell sehr viel bedeutet: unser neues Trainingszentrum, das nun Anfang 2022 eröffnet wird, dieses «Home of FCZ» im Heerenschürli. Dafür haben wir rund ein Jahrzehnt gekämpft. Moderne Trainingsbedingungen sind fundamental für den FC Zürich. Für die erste Mannschaft, aber auch für die Frauen und den Nachwuchs. Gelegentlich dachte ich, dass ich die Eröffnung nicht mehr erleben werde. Wir waren bei der Feinplanung involviert, haben alle Einrichtungsdetails selber bestimmt, auch jede Lampe und jede Tür selber ausgesucht. Es war wie damals in Bülach, als ich beim Aufbau von Schneider dabei war. Nur dass wir die Finanzierung selber organisieren mussten. Wichtig ist, dass es eine nachhaltige Investition wird, wir wollen den FCZ nicht einfach verwalten und nur an die erste Mannschaft denken. Es gibt Mädchen und Buben, die wir fördern und begleiten wollen. Damit beweist der FC Zürich, dass er seine gesellschaftliche Verantwortung mehr als nur wahrnimmt. Dazu gehört auch das FCZ-Museum, wo wir die Historie des Klubs pflegen.


Wie sieht Ihre Vision für den FCZ aus?

Wir sind fit, wir sind offen für neue Projekte, als Nächstes muss endlich das Stadion in Zürich gebaut werden. Es ist ein Trauerspiel, wie lange das dauert. Und die Digitalisierung ist zentral, vieles, was läuft, passt mir und hält mich jung. Die Entwicklung im Fussball ist rasant, das beobachte ich mit grossem Interesse. Es wäre mir zu langweilig, ein paar Monate im Jahr auf den Malediven oder in der Karibik zu verbringen. Nach zwei, drei Stunden am Strand hätte ich schon genug von der Ruhe (lacht). Aber klar: Irgendwann werden wir uns zurückziehen und den Verein verkaufen, wobei wir ihn sicher nicht irgendwo ins Ausland verschachern werden. Die Nachfolgeregelung soll aus unserer Sicht nachhaltig sein, wie immer sie dann auch aussehen wird.


Man sieht Sie in der Öffentlichkeit selten ohne Zigarette. Seit wann rauchen Sie?

Ich gründete damals während des Studiums in Paris einen Literaturklub, da sprachen wir stundenlang über Bücher und Autoren. Alle pafften Gauloises, nur ich nicht. Also fing ich auch an. Aber ich habe nie inhaliert, das kann ich nicht. Dreimal hörte ich auf, aber ein Laster darf man im Leben haben. Meine Lungenwerte sind top, die Ärzte sind jedes Mal erstaunt und fast ein wenig enttäuscht, wenn sie mich untersuchen. Das ist, weil ich nicht inhaliere. Mir gefällt das Handling mit der Zigarette, ich brauche das, es gibt viele Situationen, in denen eine Zigarette für mich dazugehört. Zum Beispiel, wenn ich nervös bin, wie an den Spielen des FCZ. Und: Ohne Zigaretten bin ich weniger fröhlich.


Wie merkten Sie das?

Ich singe beispielsweise gerne und viel, vor allem am Morgen, nach dem Aufstehen. Am liebsten das Lied «Ich will alles» von Gitte, «und zwar sofort». Als ich nicht rauchte, sagte Cillo, dass ich kaum noch singe, das war ein schlechtes Zeichen. Ich schaffe es auch nicht, nur fünf Zigaretten am Tag zu rauchen, das setzt bloss Druck auf.


Dann bleibt zum Schluss nur noch die Frage: Warum färben Sie sich Ihre Haare knallrot?

Weil das zu mir passt. Und weil ich es mag. Als ich mit 40, 50 Jahren immer mehr graue Haare bekam, war für mich klar, dass ich sie knallrot färben will. Für Cillo ist das auch gut, er sagt immer, so erkenne er mich selbst am Samstagmorgen in der Migros zwischen all den anderen Leuten. Ich sei wie ein Leuchtturm.


Fabian Ruch fand das Gespräch mit Heliane Canepa sehr anregend. Im Fussball schlägt sein Herz für Brasilien und Inter Mailand – und wenn er selber spielt, trägt er schon immer die Nummer 14. Weil er die Faszination von Heliane Canepa für Johan Cruyff bedingungslos teilt.